{"id":2186,"date":"2020-04-23T13:26:16","date_gmt":"2020-04-23T11:26:16","guid":{"rendered":"http:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/?p=2186"},"modified":"2025-11-17T15:07:55","modified_gmt":"2025-11-17T14:07:55","slug":"stillen-kulturgeschichtliche-ueberlegungen-zur-fruehen-eltern-kind-beziehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/2020\/04\/23\/stillen-kulturgeschichtliche-ueberlegungen-zur-fruehen-eltern-kind-beziehung\/","title":{"rendered":"Stillen &#8211; Kulturgeschichtliche \u00dcberlegungen zur fr\u00fchen Eltern-Kind-Beziehung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ursula Henzinger<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stillen\u00a0 \u00a0 <\/strong><strong>Kulturgeschichtliche \u00dcberlegungen zur fr\u00fchen Eltern-Kind-Beziehung<\/strong><\/p>\n<p><b>Psychosozial<\/b><strong>-Verlag\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/strong><strong>ISBN: 978-3-8379-2906-5<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.psychosozial-verlag.de\/2906\">https:\/\/www.psychosozial-verlag.de\/2906<\/a><\/p>\n<p><em>Frau Henzinger<\/em> wurde 1956 in Salzburg geboren und lebt und arbeitet in Tirol. Die Dipl.-P\u00e4dagogin <em>Ursula Henzinger<\/em> ist Humanethologin und Organisationsleiterin vom Verein f\u00fcr Ausbildung von Fachleuten und Begleitung von Eltern rund um die Geburt (ZOI). Ebenso ist sie Leiterin von Teams f\u00fcr ambulante Familienbegleitung.<!--more--><\/p>\n<h2><strong>Entstehungshintergrund<\/strong><\/h2>\n<p>Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die zweite \u00fcberarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1999. Die erste Ausgabe wurde von ihr in einer Phase geschrieben, in der sie aus der Familienphase mit vier Kindern heraustrat und ihre pers\u00f6nlichen Erfahrungen aus kulturgeschichtlicher Sicht betrachtete und in Beziehung zu Erkenntnissen zur fr\u00fchen Eltern-Kind-Beziehung setzte.<\/p>\n<h2><strong>Aufbau und Inhalt<\/strong><\/h2>\n<p>Das vorliegende Buch betrachtet Frauen die als M\u00fctter, Gro\u00dfm\u00fctter und Urm\u00fctter die Lebenssituation der heutigen Frau mitbestimmt haben. Frauen die sich auf eine Stillbeziehung mit ihrem Kind einlassen sind gepr\u00e4gt von ihrem kulturgeschichtlichen Hintergrund.<\/p>\n<p>Das Buch ist in vier Hauptkapitel, mit entsprechenden Unterkapiteln, gliedert und bietet so einen \u00dcberblick \u00fcber die Inhalte an.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<ol>\n<li>Die Frau und der S\u00e4ugling<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>Ein idyllisches Bild von Mutter und Kind: Die Schlangen Amme 1. Teil<\/li>\n<li>Der Beginn der Stillbeziehung. Die Geburt<\/li>\n<li>Honig oder Glukose: Das Kolostrum-Tabu<\/li>\n<li>Ammen, Tiermilch, Zinnludeln: Trennungen und ihre Folgen<\/li>\n<li>Stillen: Das Kind zum Schweigen bringen, wenn es vor Hunger schreit<\/li>\n<\/ul>\n<ol start=\"2\">\n<li>Die Frau und das Kleinkind<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>Die \u00fcberforderte Frau: Die Schlangen Amme 2. Teil<\/li>\n<li>Entwicklungsgeschichte des Kleinkindes: Vom Ich zum Du<\/li>\n<li>Weltbilder f\u00fcr das Stillen<\/li>\n<li>Das Bild der \u201eGro\u00dfen Mutter\u201c<\/li>\n<li>Die \u201egute\u201c und die \u201eb\u00f6se\u201c Mutter<\/li>\n<li>Die Aufl\u00f6sung alter Das blaue Fl\u00e4mmchen<\/li>\n<\/ul>\n<ol start=\"3\">\n<li>Kind-Mutter-Vater<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>Die Frau begegnet dem fremden Mann. Die Schlangen Amme 3.Teil<\/li>\n<li>Wie unsere Kultur die Rolle des Vaters ver\u00e4nderte<\/li>\n<li>Der Mann als Partner und Vater im M\u00e4rchen<\/li>\n<\/ul>\n<ol start=\"4\">\n<li>Abschiednehmen : Abstillen<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>Stilldauer und Entw\u00f6hnung innerhalb der Kulturgeschichte<\/li>\n<li>Entw\u00f6hnung nach dem Modell des M\u00e4rchens<\/li>\n<li>Ein Zukunftsbild: Die lebendige Frau:: Die Schlangen Amme 4. Teil<\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more-->Im Folgenden werden die vier Themenbereiche \u00fcbergreifend betrachtet. <em>Frau Henzinger<\/em> beginnt das Buch mit einer M\u00e4rchenerz\u00e4hlung \u201eDie Schlangen-Amme\u201c (Bechstein, 1954). Dieses Volksm\u00e4rchen beschreibt wie M\u00fctter und S\u00e4uglinge in fr\u00fcheren Zeiten lebten, wie Beziehungen sich entwickelten, und betrachtet vor allem den Umgang mit dem Stillen. Das M\u00e4rchen wird im Verlauf immer weiter erz\u00e4hlt. Es umfasst die gesamte Stillbeziehung. Das Stillen ist ein Prozess, der sich bei S\u00e4ugetieren bereits seit 100 Millionen Jahren bew\u00e4hrt hat. Geburt und Stillen sind nat\u00fcrliche Abfolgen, die kein besonderes Wissen voraussetzen. Dies gelingt auch bei den Menschen seit \u00fcber 3 Millionen Jahren. Allerdings ver\u00e4nderten sich die nat\u00fcrlichen Bedingungen in der kulturgeschichtlichen Vergangenheit und die S\u00e4uglingssterblichkeit wuchs. Es kam zu immer mehr St\u00f6rungen und M\u00fctter verzweifelten an den Problemen. L\u00f6sungen wurden gesucht und Ammen und k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung brachten nur scheinbare Erleichterungen. Erst seit ungef\u00e4hr 50 Jahre tr\u00e4gt das Still-Wissen dazu bei, das was M\u00fctter und Kinder ben\u00f6tigen ins Bewusstsein zu holen und sich \u00fcber die Entm\u00fcndigung der Frauen durch Reglementierungen hinwegzusetzen. Hierbei ist ein entscheidender Punkt die Akzeptanz der kindlichen Autonomie. Mit viel Ruhe, Geduld und Vertrauen gelingt es die angeborenen Signale des Babys wahrzunehmen und richtig zu deuten. <em>Frau Henzinger<\/em> beleuchtet sowohl evolution\u00e4re und kulturgeschichtliche Aspekte als auch die neuen Entwicklungen der Bindungstheorien. Ihre Beobachtungen zur N\u00e4he-Distanz Regulierung von Kleinkindern erg\u00e4nzt diese wissenschaftlichen Ausf\u00fchrungen wesentlich. <em>Frau Henzinger<\/em> weist immer wieder, mit Beispielen von Naturv\u00f6lkern daraufhin, dass sich die entspannte Stillbeziehung nur in einer stressfreien Umgebung entwickeln kann. Solche unbeschwerten Bedingungen sind heute oft nicht gegeben. Stress tr\u00e4gt zur St\u00f6rung des Bindungsaufbaus bei. Bereits im 16. Jahrhundert hat man entdeckt, dass Musik entspannend wirkt. Betrachtet man die Rolle des Vaters kulturgeschichtlich, wird deutlich, dass der Kontakt zum Vater weniger und die v\u00e4terliche Verf\u00fcgungsgewalt immer st\u00e4rker wurde. Dies f\u00fchrte im Verlauf der Geschichte dazu, dass der Vater h\u00f6her als die Mutter bewertet wurde. Hier sind auch Hintergr\u00fcnde zu finden, die zur Unterdr\u00fcckung und Abwertung der Frau gef\u00fchrt haben. Durch M\u00e4rchen und Mythen wurden allerdings die Unterschiede zwischen Mann und Frau oft ganz anders beschrieben. Das M\u00e4nnliche ben\u00f6tigt das Weibliche f\u00fcr seine Existenz. Dies erl\u00e4utert die Autorin an Hand der M\u00e4rchen \u201e Das Werwolfsfell\u201c und \u201eBr\u00fcderchen und Schwesterchen\u201c. <em>Frau Henzinger<\/em> beendet das Buch mit der Betrachtung der Begriffe \u201eAbschiednehmen \u2013 Abstillen\u201c.<\/p>\n<h2><strong>Diskussion und Fazit<\/strong><\/h2>\n<p>Das Buch r\u00e4umt mit der Annahme auf, das fr\u00fcher alles besser und leichter war. Schnell wird klar, dass diese Ansicht nicht das Anliegen des Buches ist. Es geht vielmehr darum, zu erkennen, welche kulturgeschichtlichen Entwicklungen die Menschheit gepr\u00e4gt haben und das Muttersein ver\u00e4ndert haben. Reflektierend auf die Entwicklungen und die eigenen inneren Prozesse zu schauen kann Frauen dabei helfen eine neue Selbstsicherheit zu entwickeln. Vertrauen in die individuellen F\u00e4higkeiten und in die Autonomie des Kindes erm\u00f6glichen eine enge Bindung und eine entspannte, lustvolle Stillbeziehung. Die Umsetzen \u00fcber das Stillen und die fr\u00fchen Beziehungen sind sehr aufschlussreich und erkl\u00e4ren kulturgeschichtlich viele Verhaltensweisen und Ansichten. Es ist schwierig, die Komplexit\u00e4t dieses Buches wiederzugeben, denn die Inhalte basieren stark auf sehr ausf\u00fchrlichen ethnologischen und kulturgeschichtlichen Erkenntnissen. Die M\u00e4rchen nehmen die Leserinnen und Leser mit hinein in eine fr\u00fchere Welt und er\u00f6ffnen eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Gedankenwelt. Hier sind die Erkl\u00e4rungen der Autorin besonders spannend, erm\u00f6glichen sie es doch die M\u00e4rchen auf eine ganz neue Art und Weise zu verstehen. Es ist beachtlich, was die Autorin an Wissen und Informationen zusammengef\u00fcgt hat. Beeindruckend ist, dass dieser Wissensschatz uns gepr\u00e4gt hat und dennoch meist nicht mehr verf\u00fcgbar ist. Intuitiv handeln und in Ruhe und Gelassenheit das Muttersein genie\u00dfen, ist in der heutigen Zeit oft abhanden gekommen. M\u00fctter haben erfahren, dass sie nicht kompetent genug sind und bestimmte Bedingungen erf\u00fcllen m\u00fcssen, um eine \u201egute Mutter zu sein\u201c. Das Buch leistet einen Beitrag, M\u00fcttern ihr Selbstbewusstsein zur\u00fcckzugeben und auf sich zu vertrauen. Es lohnt sich, das Werk zu lesen. Es ist kein Stillratgeber im \u00fcblichen Sinn und eignet sich nicht zum schnellen durchlesen. Ich habe immer wieder einzelne Abschnitte gelesen und bei jedem erneuten Lesen etwas mehr verstanden. Geblieben ist die Neugierde auf M\u00e4rchen, die Erkenntnis vieles intuitiv richtig gemacht zu haben\u00a0 und die \u00dcberzeugung, dass Frauen seit jeher gewusst haben, was ihr Kind ben\u00f6tigt. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn viele M\u00e4nner ebenfalls zu diesem Buch greifen w\u00fcrden. Es hilft Rollen und Verhaltensweisen zu verstehen und regt zu Gespr\u00e4chen und Diskussionen an. Ein empfehlenswertes wissenschaftliches Buch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ursula Henzinger Stillen\u00a0 \u00a0 Kulturgeschichtliche \u00dcberlegungen zur fr\u00fchen Eltern-Kind-Beziehung Psychosozial-Verlag\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0ISBN: 978-3-8379-2906-5 https:\/\/www.psychosozial-verlag.de\/2906 Frau Henzinger wurde 1956 in Salzburg geboren und lebt und arbeitet in Tirol. Die Dipl.-P\u00e4dagogin Ursula Henzinger ist Humanethologin und Organisationsleiterin vom Verein f\u00fcr Ausbildung von Fachleuten und Begleitung von Eltern rund um die Geburt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[481],"tags":[384,382,383,385],"class_list":["post-2186","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erwachsenenliteratur","tag-kulturgeschichte","tag-psychosozial-verlag","tag-stillen","tag-ursula-henzinger"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p93Fuu-zg","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2186"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2614,"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2186\/revisions\/2614"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ziemer-celle.de\/rikeswunderkiste\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}